Haushaltsrede des Ersten Bürgermeisters

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderats, 
sehr geehrte anwesende Bürgerinnen und Bürger,

zu Beginn meiner Haushaltsrede möchte ich die gute und konstruktive Zusammenarbeit mit allen Gemeinderatsfraktionen im Rahmen der Haushaltsberatungen hervorheben.

Jede Fraktion, so scheint es, ist sich der bestehenden Herausforderungen, aber auch der äußeren Rahmenbedingungen bewusst.

Eine schnelle und nachhaltige Wende dieser Herausforderungen dürfen wir alle angesichts der internationalen Herausforderungen, die sehr vielschichtig sind, nicht erwarten: Krieg und Handelssanktionen in Europa, Expansions- und Zollpolitik in der westlichen Hemisphäre. Außerdem importiert das Land der Mitte, China, weniger von unseren Handelsgütern, als es exportiert. Dies zwingt besonders unsere Automobilindustrie zur größten Umstrukturierung mit dem Verlust vieler Arbeitsplätze.

Innerhalb dieser dynamischeren Veränderungen müssen wir als Gemeinde Maisach die Auswirkungen mittragen.

Dabei würden schon die nationalen Herausforderungen reichen: Die Rentenkasse ist überlastet, der Bezirk Oberbayern ertrinkt an den sozialen Aufwendungen, die Rücklagen sind geschmolzen und erstmals musste der Bezirk die Umlage erhöhen.

Wäre die erhöhte Umlage für den Haushalt 2026 nicht vom Freistaat Bayern abgefedert worden, wäre die Kreisumlage um mehr als 3 Punkte höher, was für die Gemeinde Maisach nicht nur 15 Millionen Euro, sondern 16,1 Millionen Euro bedeutet hätte. Dadurch wären hier vor Ort weitere Einschnitte notwendig geworden.

Dass wir eine drastischere Wirtschaftssituation und damit auch überlastete Umlagen haben, soll allen Verantwortlichen im Kreistag und bei uns im Gremium auch außerhalb der Haushaltsberatungen im Bewusstsein bleiben.

Die Bürgerinnen und Bürger sowie die Betriebe haben ihre Belastungsgrenze mehr als erreicht, was auch durch das Konsum- und Investitionsverhalten deutlich sichtbar wird. Jetzt ist es wichtig, dass die Gemeinde zu einem Stabilitätsfaktor für die Bürgerinnen und Bürger wird und die nächsten zwei bis drei Jahre keine weiteren Belastungen anstrebt.

Mit Blick auf unsere Gemeinde ist festzustellen, dass wir in den nächsten acht Jahren eines der größten Investitionsprogramme vor uns haben, denn nach Abschluss der Sanierung der Mittelschule und der Erweiterung der Grundschule Gernlinden kommen die Sanierung des Freibads, der Bau der Feuerwehrhäuser Überacker und Maisach und im Anschluss Malching und Rottbach.

Spätestens in fünf Jahren müssen wir mit dem Bau der neuen Fuß- und Radwegebrücke beginnen.

Unsere derzeitigen Rücklagen von etwas mehr als 40 Millionen Euro werden dafür nicht reichen.

Gleichzeitig hat die Gemeinde Maisach mit den Änderungen beim Militärgelände ca. 30 Hektar Entwicklungsfläche eingebüßt, die eigentlich die Wertschöpfung der nächsten Jahre und damit den finanziellen Spielraum der Gemeinde abseits von möglichen Steuereinnahmen sicherstellen sollte.

Bei der Aufzählung ist Ihnen sicherlich das fehlende Bürgerzentrum Gernlinden aufgefallen. Durch die einstimmig hier im Gremium beschlossene Schließung gibt es keine Alternative mehr, als zeitnah zu handeln. Das ist allen, so denke ich, hier im Gremium mit dem Beschluss bewusst geworden.

An dem bereits beschlossenen baulichen Konzept, mit einer Verringerung der Raumkapazitäten zur Senkung der erforderlichen Maßnahmen sowie der Kosten, wird bereits von den Architekten gearbeitet.

Dieses Konzept wird keine 18 Millionen Euro kosten, aber sicherlich mehr als 7 Millionen Euro, auch diese Summe muss zusätzlich zu allen anderen finanziert werden.

Intern arbeiten wir gerade an den ersten Überlegungen, wo es Veränderungen bzw. neue Aktivitäten geben könnte, um die Finanzierung sicherzustellen.

Wichtig ist, dass sich alle Fraktionen über die Finanzierbarkeit Gedanken machen, was ich somit auch an alle Fraktionen herantrage. Bis Mitte Mai ist unser Ziel, ein Finanzierungskonzept ausgearbeitet zu haben, damit die Planer zielgerichtet nach der Planung 2027, abhängig von möglichen Prüfungen für Zuschüsse in die bauliche Umsetzung gehen können.

In unserem Schreiben vom 14.01.2026 hat die Gemeinde allen Fraktionen zugesichert, eine Überganslösung zu finden und diese finanziell zu unterstützen.

Derzeit werden einige Immobilien auf deren Eignung geprüft: für den Bedarf der Heimatbühne, den Fanfaren, dem Burschenverein, TSV sowie ein Lagerraum für die Schützen werden mehr als 300 m² benötigt. Geeignete Immobilien kosten ca. 2500 Euro im Monat/kalt, die Nebenkosten müssten nach unseren Überlegungen die Vereine tragen sowie 25-30 Prozent der Miete ihrer benötigten Fläche. Eine zentrale Anmietung durch die Gemeinde kommt günstiger als viele einzelne Immobilien. Bei einer Mietdauer von ca. 3 Jahren wären das ca. 70.000 bis 80.000 Euro, was die Gemeinde bezahlen würde. Bei der Finanzierung im Verwaltungshaushalt wären Einsparungen beim Straßenunterhalt zu gewährleisten.

Einen Beschluss hierzu würde ich erst nach Besichtigung mit dem Verein und den weiteren Bürgermeistern, die am 18.02. um 13 Uhr stattfindet, vorlegen, wenn Eignung und Kosten umfänglich bekannt sind.

Um unsere haushälterische Disziplin im Allgemeinen noch weiter zu straffen, möchte ich auch einen Vorschlag unterbreiten und im Anschluss darüber abstimmen lassen. Anträge an die Gemeindeverwaltung sind nur noch zu bearbeiten, wenn sie einen umfassenden Finanzierungsvorschlag beinhalten.

Unsere konsequente Finanzpolitik wird gerne von außen auch von der Presse kommentiert, dass Maisach nun auch finanzielle Probleme habe.

Finanzielle Probleme, meine Damen und Herren, schauen anders aus, was richtig ist: wir können uns nur nicht mehr alles und zu jeder Zeit leisten und müssen noch sorgfältiger planen.

Die sorglosen Boom-Jahre liegen wie bei allen Kommunen hinter uns, wir haben diese aber auch genutzt, um Rücklagen zu bilden, Gebäude zu sanieren und neue Einrichtungen zu schaffen sowie um Schulden abzubauen, was unsere Pro-Kopf-Verschuldung von unter 3 Euro zeigt.

Angesichts unserer sehr hohen Investitionsquote, einer mehr als leistungsfähigen Infrastruktur mit Schulen und Kinderbetreuung sowie einer stabilen Gewerbelandschaft haben wir beste Voraussetzungen. Intern bereiten wir, wie Ihnen allen bekannt ist, mehrere Projekte vor; sollte der nächste nationale Aufschwung kommen, werden wir in mehreren Bereichen ganz vorne mit dabei sein.

Der Haushalt 2026 ist die Grundlage dafür, dem bitte ich zuzustimmen und die Finanzplanung zur Kenntnis zu nehmen.

Hans Seidl 
Erster Bürgermeister

11.02.2026