Der Bürgermeisterbrief – August 2025

Mut und Durchhaltevermögen für die Region


Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

viele von Ihnen waren über die Nachricht vom Rückzug der Projektgesellschaft Biodrom genauso ernüchtert wie wir, die politischen Vertreter der Stadt Fürstenfeldbruck und der Gemeinde Maisach.

Zielstrebiger Wille

Es wird nun an der Stadt Fürstenfeldbruck und der Gemeinde Maisach liegen, ob es gelingt, mit dem Gelände auf die wirtschaftliche Erfolgsspur einzubiegen. Aufstehen, zusammenstehen und weitermachen. Das wird nur mit einer festen gemeinsamen Überzeugung erreicht und einem zielstrebigen Willen, für beide Kommunen ein wirtschaftlich stärkeres Fundament schaffen zu wollen. Das wird am Ende auch den Erfolg bringen.

Rückschläge gehören zum Alltag ̵ im politischen Leben besonders, wenn es darum geht, sich in weniger optimalen wirtschaftlichen Zeiten als Zukunftsstandort auf nationaler und internationaler Bühne zu präsentieren.

Was das gemeinsame Ziel war

Um es in kurzen Worten auszudrücken, die Projektgesellschaft suchte zu Beginn der Zusammenarbeit ein 50.000 bis 70.000 Quadratmeter-Gelände, um dort Nukliden für den medizinischen Einsatz herzustellen, und damit der sich anbahnenden Unterversorgung in Deutschland, besonders in Bayern, entgegenzuwirken.

Der Flächenbedarf für die Produktionslinie lag bei mindestens 2500 Quadratmetern (m²). Ergänzen sollte das Ganze weitere Forschungseinrichtungen, ein Theranostik-Zentrum, Start-ups, eine Tagesklinik und weitere von der Technologie profitierende Unternehmen.

Dieses Bestreben stieß besonders bei den Münchener Klinken auf großes Interesse, auch namhafte politische Kräfte in Bayern setzten sich für das Projekt ein. Was sich anfänglich für alle Beteiligten als eine runde Sache darstellte, bröckelte mit zunehmender Zeit an der klaren Umsetzung und dem nachlassenden Interesse einiger Investoren.

Wirtschaftliche Rentabilität

Sich Sinnvolles auszudenken, ist etwas anderes als dieses auch mit starker finanzieller Bereitschaft umzusetzen. Aus diesem Grund erodierte der Flächenbedarf zuletzt auf unter 10.000 m². Bei dem ehemaligen Flugvorfeld handelt es sich um eine unerschlossene Fläche (ohne Strom, Abwasser und Trinkwasser). Hier bewegen sich die Erschließungskosten im zweistelligen Millionenbereich. Diese sind nur gut zu finanzieren, wenn die anfänglich geforderten 50.000 bis 70.000 m² baulich entwickelt und vermarktet werden können.

Bei einer möglichen Vermarktung von nur 10.000 m² entsteht ein Finanzierungsdefizit, das die beiden Kommunen Fürstenfeldbruck und Maisach hätten tragen müssen. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ist bei beiden Kommunen auch auf Grundlage einer Fremdfinanzierung derzeit nicht gegeben.

Aus diesem Grund haben die beiden Kommunen der Projektgesellschaft, eine Fläche von 10.000 bis 15.000 m² außerhalb des ehemaligen Fluggeländes, direkt im Anschluss an das bestehende Fürstenfeldbrucker Gewerbegebiet am Kugelfang, angeboten. Diesem Angebot konnte die Projektgesellschaft wenig Positives abgewinnen, andere Mitbewerber setzten sich durch.

Abschließend ist festzustellen, wer in ein Bewerbungsverfahren, wie die Stadt Fürstenfeldbruck und die Gemeinde Maisach einsteigt, muss auch damit rechnen, nicht als Sieger daraus hervorzugehen, zumal wenn sich die Grundlage während des Bewerbungsprozesses massiv verändert hat.

Unternehmerisch denken

Das unklugste Fazit wäre, die aktiven Bestrebungen für Bewerbungen einzustellen und abzuwarten, bis jemand an der Tür klingelt und ein neues Projekt ohne Risiken anbietet.

Die beiden Kommunen müssen noch mehr unternehmerisches Denken einbringen. Es muss uns allen bewusst sein, wir haben zwar mit dem Gelände einen Top-Standort in unmittelbarer Nähe zu München. Bei der Bewerbung für herausragende Technologie-Projekte mit einem Mehrwert für die Region werden wir nie die alleinigen Bewerber sein, weder national und schon gar nicht international.

Bayerische Wirtschaftsförderung

Deshalb gilt es jetzt, uns für eine erneute Bewerbung gut aufzustellen, den Standort mit all seinen Vorzügen ins nationale und internationale Schaufenster zustellen. Was wir aber auch brauchen, besonders bei internationalen Bewerbern ist eine effizientere Unterstützung aus dem Bereich der bayerischen Wirtschaftsförderung.

In Zeiten von schwächelnder Wirtschaft und sinkenden Einnahmen gilt es gerade von staatlicher Seite, mehr als Unternehmer und weniger als Verwalter zu agieren.

Die Region rund um Fürstenfeldbruck hat mit dem Standort einen exzellenten Entwicklungsbereich, der nicht nur hervorragend verkehrlich angebunden ist, eine starke Bildungslandschaft um sich vereint, sondern der bereits seit Jahrzehnten als Betonplatte versiegelt ist und damit der Natur und auch der Landwirtschaft entzogen wurde. Hier ist für die Erschließung kein massiver Eingriff in die Natur notwendig, solch eine Möglichkeit gibt es in Bayern und darüber hinaus nur sehr selten.

Das bietet eine starke wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeit. Aus diesem Grund dürfen wir die örtlichen Vertreter der Politik nicht nachlassen und müssen weiterhin aktiv mit viel persönlichem Einsatz daran arbeiten, auf diesem Gelände den weiteren wirtschaftlichen Fortschritt unserer Region zu begründen.

Unsere Region stärken

Wirtschaftlichen Fortschritt bringen keine Logistikunternehmen, sondern Unternehmen, die eine ausgewogene Struktur an Arbeitsplätzen hier am Standort schaffen. Bei einer Pendlerquote von täglich fast 50.000 Menschen aus unserem Landkreis heraus muss es uns allen aus Gründen der Lebensqualität, des Umweltschutz, besonders zur Stärkung der Wirtschaftskraft, und damit dem Erhalt unseres Wohlstands ein Anliegen sein, für uns und die nachfolgenden Generationen verbesserte Voraussetzungen zu schaffen.

Auch hier gilt meine persönliche Devise: Ärmel hoch statt Stimmung runter. Wer darauf wartet, dass uns das Gute in den Schoss fällt, wird viele nachhaltige Chancen versäumen.

Doch lassen Sie uns alle im Monat August etwas durchschnaufen und Erholung finden, um unsere Kräfte und unseren Ideenreichtum zu stärken. Bleiben Sie gesund oder werden Sie gesund. Erfreuen Sie sich an dem Sommer 2025. Allen Schülerinnen und Schülern schöne Ferien.

Mit den besten Grüßen aus dem Rathaus
Hans Seidl, 1. Bürgermeister

 

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E-Mail: vorzimmer@maisach.de