Der Bürgermeisterbrief – Oktober 2026
Klarer Kurs, eigene Wege, gute Perspektiven
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe Kinder und Jugendliche,
ob im Fernsehen oder in der Tagespresse: Die Nachrichten sind geprägt von Meldungen über erforderliche Einsparungen in vielen Bereichen. Auch die Gemeinde Maisach arbeitet stetig daran, ihre Ausgaben weiter zu optimieren, und das nicht nur jetzt, sondern schon all die Jahre – so wie der alte Spruch besagt: Spare zur rechten Zeit, dann hast du in der Not.
Ein verantwortungsvoller Umgang mit den vereinnahmten Steuergeldern und eine nachhaltige Investition gehören für uns, wie für alle Kommunen, zur Grundlage unseres Wirtschaftens.
Wenn anhaltender Sparzwang an die Substanz geht
Schwieriger wird es, wenn wirtschaftlich angespannte Phasen sich über längere Zeiträume erstrecken, wenn Sparrunde um Sparrunde den ohnehin ausgepressten Finanzhaushalten, wie einer Zitrone, keinen Saft mehr entlocken kann, sondern sich bereits das Fruchtfleisch ablöst.
Beim Finanzhaushalt gibt es zwar kein Fruchtfleisch, der Begriff steht hier aber für die Aufgabe geschaffener Strukturen, etwa im sozialen, gesellschaftlichen, ehrenamtlichen oder ökologischen Bereich. Der Weg allein über immer weitere Einsparungen kann in einem Kaputtsparen enden, was über Jahrzehnte aufgebaute Strukturen, auf Jahre hinaus schwer wiederherzustellen, stilllegen würde. Dies gilt es bei der eigenen Kursbestimmung in diesen Zeiten ganz besonders zu bedenken.
Die Fachwelt spricht seit Jahren davon, dass wir hier in Deutschland kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem in den öffentlichen Haushalten haben, die Senkung der Ausgaben sei die Stellschraube, an der zu drehen sei. Dieser These möchte ich immer mehr widersprechen. Glauben wir wirklich, dass Materialpreise, Rohstoffpreise, Bodenpreise, Lohn- und Lohnnebenkosten in den nächsten Jahren markant sinken werden? Sicherlich wird es eine Tendenz der leichten Abschwächung des Kostenaufwands geben. Diese wird aber nicht so ausgeprägt sein, dass sie einen erheblichen Effekt auf private, öffentliche und gesamtwirtschaftliche Investitionen und Betriebskosten haben könnte.
Meine persönliche Überzeugung ist: Wir müssen lernen, mit dem Kostenniveau zu leben und zu wirtschaften. Der Bund muss sein Ausgabenstrategie zur Förderung von Maßnahmen außerhalb des eigenen Landes reformieren, wobei ich keineswegs humanitäre Hilfe in Frage stellen möchte. Das eigene Land steht vor einem wirtschaftlichen, sozialen, ökologischen, sicherheitsstrategischen Umbau, der eine viel größere finanzielle Leistungsfähigkeit für die hier lebenden Menschen und die hier wirtschaftenden Unternehmen erfordert, als derzeit bereitgestellt werden kann.
Gesellschaftliche Fundamente sichern
Der Erhalt von sozialem Frieden, von guten politischen Grundlagen, von attraktiven Standortbedingungen für eine leistungsfähige Wirtschaft, die den über Jahrzehnte erarbeiteten Wohlstand sichert, die Beständigkeit sozialer Leistungen, die eine Absicherung bei Krankheit, Arbeitsunfähigkeit und im Ruhestand gewährleistet, gehören zu den Grundfesten, die ein Land seinen Menschen zweifelsfrei garantieren muss. Für jüngere Generationen ist zusätzlich die Perspektive wichtig, sich durch eigenen Fleiß einen gewissen Wohlstand, gesicherten Wohnraum und damit die Basis für die Gründung einer Familie oder Partnerschaft schaffen zu können.
Der Blick auf die große Welt hilft manchmal auch, unsere Entscheidungen vor Ort für unsere Gemeinde zielgerichtet zu treffen. Ein Kaputtsparen wird keinen kommunalen Haushalt retten, sondern zu mehr Herausforderungen und neuen Baustellen führen.
Hier in unserer Gemeinde setzen wir daher auch stark auf Wachstum und Weiterentwicklung. Wir haben in den letzten Jahren die Grundlagen für eine leistungsfähige Infrastruktur gelegt, um jetzt mit verschiedensten Modellen Wohnraum für ein breiteres Spektrum an Menschen mit unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten zu schaffen. Gleichzeitig streben wir weiteres Wachstum an Arbeitsplätzen und wirtschaftlicher Leistung vor Ort an. Wir stärken den Wohn- und Wirtschaftsstandort durch eine unabhängig sichere Energieversorgung, mit dem Ausbau von Erzeugungsanlagen für Strom und Wärme. Darüber hinaus setzen wir nachhaltige Impulse mit der Sanierung des Freibads, dem Erhalt des Bürgerzentrums und der Förderung des Sportstättenausbaus. Das stärkt die eigene Bevölkerung, macht die Gemeinde attraktiv für den Zuzug von Familien und Singles und sichert somit dem Gewerbe einen Zuwachs an gut ausgebildeten, leistungsfähigen und motivierten Menschen.
Zukunft gestalten, in starkem Miteinander
Das Wachstum und die Entwicklung in allen Bereichen treiben wir in dem Bewusstsein voran, dass nur eine weiterhin finanziell leistungsfähige Gemeinde eine attraktive, sozial ausgleichende, die Lebensgrundlagen schützende und eine sichere und gesellschaftlich geeinte Gemeinde sein wird.
Für diesen Weg brauchen wir Sie alle, Ihre konstruktiv kritische Begleitung, Ihr Interesse an der Gemeinde und deren Entwicklung, und ganz besonders Ihr Vertrauen, dass wir in Kenntnis der aktuellen Informationen, mit unserem Wissen und unserer Erfahrung, mit breitem Blick auf alle hier lebenden Menschen unsere tägliche Arbeit leisten und Entscheidungen treffen.
In diesem Sinn wünsche ich Ihnen einen goldenen Oktober. Nehmen wir die herbstliche Natur als Beispiel, dass Veränderung auch viel Positives mit sich bringt – schließlich werden uns nur durch Veränderung vier schöne Jahreszeiten geschenkt.
Mit den besten Grüßen aus dem Rathaus
Hans Seidl, 1. Bürgermeister
Kontakt:
E-Mail: vorzimmer@maisach.de




