Bürgermeisterbrief

Bürgermeister Portrait April 2020

Corona-Pandemie - Folgen und Herausforderungen

 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

 

seit dem 1. Juli dürfen nach den Corona-Beschränkungen nun wieder alle Kinder in die Betreuungseinrichtungen. Gerade für die Familien war die Zeit der geschlossenen Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen eine sehr große Herausforderung.

 

Dank an Eltern, Lehr- und KiTa-Kräfte

Bei den Schulen wird es vermutlich bis zum neuen Schuljahr dauern, bis wieder ein normaler Unterrichtsbetrieb durchgeführt werden kann. Deshalb möchte ich mich schon jetzt bei allen Eltern sehr herzlich für ihren enormen, gelegentlich bis an die Belastungsgrenze gehenden Einsatz bedanken. Die Schließung der Betreuungseinrichtungen und Schulen war eine notwendige Maßnahme, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Die Eltern waren und sind zum Teil noch gefordert, die Kinder zuhause meist trotz Berufstätigkeit zu betreuen und die Erledigung des Unterrichtspensums zu unterstützen. Mein Dank gilt auch den Lehr- und Kitakräften, die mit Engagement und Ideenreichtum diese schwierige Phase so gut wie möglich überbrückten.

 

Rückkehr zur Normalität

Der derzeitige Verlauf der Pandemie lässt die Hoffnung zu, dass wir ab Herbst in fast allen Bereichen des öffentlichen Lebens wieder zur Normalität zurückkehren werden. Persönlich gehe ich davon aus, dass es immer wieder Brennpunkte mit höheren Infektionslagen geben wird. Diese werden dann aber auch zu selektiven Maßnahmen führen und nicht mehr ein ganzes Land zum Stillstand bringen.

 

Freibadöffnung

Zum 1. Juli ist auch das Freibad geöffnet worden. Im Gemeinderat wurde darüber eine intensive Diskussion geführt. Neben dem üblichen Defizit von 200.000 Euro werden die erforderlichen Schutzmaßnahmen fast 35.000 Euro zusätzliche Kosten verursachen. Die Entscheidungsfindung war deshalb so schwierig, weil die Besucheranzahl pro Tag so beschränkt werden muss, dass in Folge der Mindereinnahmen von einem Defizit von über 300.000 Euro auszugehen ist.

 

Mindereinnahmen und zusätzliche Ausgaben

Neben dem Defizit aus dem Freibad wird es aufgrund der Pandemiebeschränkungen in den Bereichen der Kinderbetreuungseinrichtungen, der Schulen und des Verwaltungsbetriebs fehlende Einnahmen und zusätzliche Ausgaben geben. Momentan lassen sich die gesamten finanziellen Auswirkungen noch nicht seriös abschätzen. Eine Zurückhaltung bei weiteren Vergünstigen und zusätzlichen Ausgaben ist deshalb mehr als angebracht.

 

Rettungspakete zur Stabilisierung der Märkte

In den letzten Wochen wurden durch die Staatsregierung, die Bundesregierung und das Europäische Parlament viele finanzielle Rettungspakete beschlossen und zur Umsetzung gebracht. Uns allen muss dabei bewusst sein, dass es sich um Kredite handelt, die die Verschuldung von Land und Bund bis hin zu Europa in bisher nie dagewesene Größen führt.

Es ist aber auch die einzig richtige Maßnahme, um unsere Wirtschaft vor dem Zusammenbruch und damit vor dem Risiko eines massiven Verlusts von Arbeitsplätzen zu bewahren.

Als eine der größten Handelsnationen sind wir stark vom Export abhängig. Deshalb wird nicht nur entscheidend sein, ob sich der nationale und der europäische Markt wieder belebt, sondern besonders, dass die internationalen Märkte wieder an Stabilität gewinnen.

 

Herausforderungen erkennen

In meiner persönlichen Einschätzung gehe ich davon aus, dass wir den Tiefpunkt der wirtschaftlichen Auswirkungen erst im nächsten Jahr gesamtgesellschaftlich richtig wahrnehmen werden. Deshalb ist es mir wichtig, schon jetzt das Bewusstsein im Gemeinderat und bei unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern dahingehend zu schärfen.

Eine Einschätzung, dass wir in kurzer Zeit vergleichbar gute finanzielle Verhältnisse in privaten Haushalten und in den Kommunen haben werden, wie kurz vor der Pandemie, halte ich für sehr gewagt.

 

Aufbauarbeit leisten

Was wir jetzt brauchen, sind aber nicht depressive Gedanken, sondern viel mehr einen zukunftsorientierten Realismus. Jetzt gilt es, mutig nach vorne zu blicken und Aufbauarbeit zu leisten, um aus einer starken wirtschaftlichen Stabilität heraus Arbeitsplätze und damit Einkommen zu sichern.

 

Prioritäten werden sich verschieben

Der Verlust von Arbeitsplätzen und dem eigene Einkommen führt zu einem Mehrbedarf an staatlichen Unterstützungen und damit zu einer weiteren Verschuldung, mit der wir nachfolgende Generationen noch stärker belasten. Vor Corona durften wir eine Hochkonjunkturphase mit nahezu Vollbeschäftigung und sehr starker Kaufkraft in den meisten Haushalten erleben. Wir werden jetzt aber auch erleben, dass sich die Prioritäten bei den Zukunftsthemen in vielen Haushalten maßgeblich verschieben werden. Die Sicherung der eigenen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit wird wieder mehr im Vordergrund stehen.

 

Erhalt der Lebensgrundlagen

Deshalb gilt es jetzt umso mehr darauf zu achten, dass die Themen zum Erhalt der Lebensgrundlagen nicht in den Hintergrund gedrängt, sondern durch eine kluge Verknüpfung ein Teil des wirtschaftlichen Aufschwungs werden.

 

Solidarität der Gesellschaft und der Generationen

Mir liegt eines abschließend besonders am Herzen - was wir zur Bewältigung aller gewaltigen Herausforderung jetzt umso mehr brauchen, ist die Solidarität in unserer Gesellschaft und die Solidarität gegenüber den nachfolgenden Generationen. Hierbei kommt es auf jeden Einzelnen an, aber besonders auf die politischen Rahmenbedingungen, die wir in den Kommunen, in den Ländern, im Bund und in Europa dafür schaffen müssen.

 

Ich wünschen Ihnen allen schöne Juli-Tage und wieder mehr soziale Kontakte, die den Wert des Miteinanders uns allen wieder näher bringen!

 

Mit den besten Grüßen aus dem Rathaus

 

Hans Seidl

1. Bürgermeister

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