Bürgermeisterbrief

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

 

die Flüchtlingskrise mit all seinen Bildern und Auswirkungen scheint derzeit eine kleiner werdende Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zu haben!

Vielleicht liegt es daran, dass sich mit der Anzahl der Flüchtlinge auch die Bilder und Berichte von Fluchtsituationen und den Schicksalen der Menschen erheblich verringert haben.

Die Zahl der in Bayern ankommenden Menschen hat sich zwar verringert, liegt aber immer noch bei 80 bis 100 Menschen pro Tag.

Gleichzeitig gestalten sich die Anerkennungsverfahren und damit auch die Entscheidung zwischen Anerkennung und Rückführung schwierig und langwierig.

Eine belastende Situation für die betroffenen Menschen, aber auch für die zuständigen Behörden.

Unser Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat erst kürzlich seine Einschätzung mitgeteilt, dass Europa und vor allem Deutschland sich auf Jahre hinaus auf weitere Herausforderungen in Bezug auf Asyl, Flucht und Integration einstellen muss.

Besonders die Menschen aus Teilen des afrikanischen Kontinentes werden weiterhin und auch zunehmend nach verbesserten Lebensperspektiven für ihre Familien und sich selbst suchen.

Der kurze Einblick in die Aktualität sollte Ihnen die Herausforderungen, die derzeit bestehen und die tendenzielle Entwicklung etwas näher bringen.

Diese Information und Wahrnehmung ist mir sehr wichtig, weil nur aus dieser Kenntnis heraus Entwicklungen und Entscheidungen in unserer Gemeinde besser nachvollzogen werden können.

Zwei große Herausforderungen: Bereitstellung von Wohnraum und Integration in unsere Gesellschaft, aber auch in unsere Arbeitswelt werden uns in den nächsten Jahren sehr stark fordern.

Dass der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund innerhalb unserer Gemeinde ansteigt, sehen wir nicht nur anhand unserer Einwohnerstatistik.

In den Grundschulen Maisach und Gernlinden hat der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund stetig zugenommen:

Im Jahr 2016 lag der Anteil an der Grundschule Maisach bei 16 Prozent im Schuljahr 2017/2018 sind es bereits 17,8 Prozent.

An der Grundschule Gernlinden ist die Tendenz noch etwas ausgeprägter:

2016 lag der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund noch bei 16,46 Prozent, bis zum neuen Schuljahr 2017/2018 wird sich der Anteil auf 21,98 Prozent erhöhen.

Die steigende Anzahl an Menschen mit Migrationshintergrund beruht aber nicht allein auf der Fluchtbewegung, sondern auch auf dem vermehrten Zuzug osteuropäischer Familien.

Diese Entwicklung bedeutet für die Schulleitungen und für die einzelnen Lehrer eine erhöhte Anforderung, die oft ohne Unterstützung nicht zu leisten ist.

Deshalb wird ab dem neuen Schuljahr in Gernlinden auch eine erweiterte pädagogische Unterstützung im Rahmen der Schulsozialarbeit angeboten.

Auch an der Grundschule Maisach wird es bei weiter steigendem prozentualem Anteil das gleiche Angebot geben.

Persönlich halte ich es für sehr wichtig, weil gerade die gelungene Integration der Kinder die Chance bietet, in naher Zukunft ein gutes Bildungsniveau und damit den Einstieg in unsere Arbeitswelt zu schaffen.

Die zweite große Herausforderung Bereitstellung von Wohnraum ist ein Thema, das in absoluter Gleichbehandlung mit der bereits hier lebenden Bevölkerung weiter angepackt werden muss.

Hier stehen wir der Aufgabe gegenüber, anerkannte Asylbewerber und ihren Familiennachzug unterzubringen.

Bei der derzeitigen Wohnungsmarktsituation eine Aufgabe, die ohne eine Solidarität in der Bevölkerung nicht geleistet werden kann.

Derzeit arbeiten wir in der Gemeinde an Lösungsvorschlägen zur Vorlage im Gemeinderat, die zumindest einen gewissen Anteil am Bedarf abdecken könnte.

Als Notunterkunft wird nach Beschluss des Gemeinderates die bisherige Modulanlage an der Sportstraße in Gernlinden zur Verfügung gestellt.

Hier hoffen wir auf dass Verständnis und ein gutes Miteinander mit den direkten Nachbarn.

Die Welt ist in Bewegung, die wirtschaftlichen und sozialen Unterschiede zwischen den Kontinenten und allein schon in Europa, begünstigt die Wanderbewegung von Menschen.

Wichtig hierbei ist es zu erkennen, dass es sich nicht um eine kurzzeitige Entwicklung, sondern um eine tiefgreifende und dauerhafte Veränderung in Europa handelt.

Aus dieser Erkenntnis heraus müssen wir nicht nur innerhalb unserer Gemeinde entscheiden und handeln, sondern auch auf Landes- und Bundesebene.

Für die kommende Urlaubszeit wünsche ich Ihnen, dass Sie für Ihre Urlaubswochen abschalten können und abseits der Sorgen des Alltags Erholung und Entspannung finden.

Denken Sie bitte daran, am 18. August beginnt unser Volksfest. Schenken Sie sich und Ihrer Familie ein paar Stunden in gemütlicher Atmosphäre.

 

Mit den besten Grüßen aus dem Rathaus

 

Hans Seidl

1. Bürgermeister

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